Bewertung: 5 / 5

Stern aktivStern aktivStern aktivStern aktivStern aktiv
 

Zusammenfassung

Es steht außer Frage, dass die Bestimmungen des § 11 Abs 1 DMSG mit den besten Absichten eingeführt wurden: es ging darum, die Vorgaben der Konvention von London einzuhalten, dass archäologische Ausgrabungen nur von qualifizierten Personen mit eigens dafür erteilter Genehmigung durchgeführt sollten; also für die möglichst gute Dokumentation der Archäologie des Landes zu sorgen. Leider hat man es jedoch verabsäumt, die Konsequenzen und vor allem die unerwünschten Nebenwirkungen zu bedenken, die sich aus dem gewählten Lösungsversuch ergeben müssen; und auch, diese Konsequenzen und Nebenwirkungen des gewählten Lösungsversuchs sinnvoll zu evaluieren. Der Weg in die denkmalpflegerische Hölle – und in dieser sind wir nun – war also mit den besten Absichten gepflastert. Und alles, weil wir vergessen haben, dass der Maßstab, mit dem die Qualität einer Lösung zu beurteilen ist, nicht die genaue Einhaltung eines bestimmten Wortlauts ist, sondern ob sie in der Praxis die gewünschten – eben die dem Zweck, der Sache, dienlichen – Resultate bringt.

Die unerwünschten Nebenwirkungen der Bestimmungen des § 11 Abs 1 DMSG sind nämlich einerseits die vollständige Konterkarierung der an sich sehr sinnvollen, eine positive Motivation für Finder von Bodendenkmalen bewirkenden Bestimmungen des § 8 DMSG in Verbindung mit den §§ 399 und 400 ABGB und daraus zwingend folgend ein deutlicher Rückgang der Fundmeldungen durch Mitglieder der interessierten Öffentlichkeit, die in der besten Absicht mit Metallsuchgeräten nach solchen Bodenfunden suchen, diese auch finden, aber wenig überraschend nicht daran interessiert sind, sich durch eine Fundmeldung selbst anzuzeigen und den ihnen von § 399 ABGB in Aussicht gestellten Eigentumsanteil an den Funden gemäß § 400 ABGB in Verbindung mit § 11 Abs 1 DMSG gleich wieder zu verlieren. Resultat ist, dass wir, statt eine äußerst nützliche große Gruppe freiwilliger MitarbeiterInnen, die gratis für uns jene Funde und Befunde retten würden, die wir selbst gewöhnlich vorsätzlich oder gedankenlos mit dem maschinellen Abschieben des Oberbodens bei Ausgrabungen vernichten, für die Archäologie zu gewinnen, wir eine ebenso große Gruppe von ob unseres arroganten und abweisenden Umgangs mit ihnen verstimmten, gegenüber der professionellen Archäologie äußerst skeptischen und teilweise sogar dieser gegenüber feindlich eingestellten KonkurrentInnen geschaffen haben, die nun statt ihre Funde der Öffentlichkeit – in deren Auftrag wir arbeiten – und der Wissenschaft – der wir uns verpflichtet fühlen – im Dienste der Sache zur Verfügung stellen, diese in privaten Sammlungen zwischenlagern; und wir höchstens hoffen können, dass sie diese wenigstens in ihrem Nachlass einem Museum stiften, wo sie dann als ungeliebte Altfunde vergammeln werden, wenn sie nicht überhaupt der Wissenschaft vollständig dadurch verloren gehen, dass ihre Erben sie am Antiquitätenmarkt meistbietend verscherbeln, wenn nicht auf der nächsten Mülldeponie endlagern.

Andererseits haben die Bestimmungen des § 11 Abs 1 DMSG dazu geführt, dass das BDA keine Möglichkeit hat, den eigentlich Verfügungsberechtigten Auflagen bezüglich des Erhalts der auf archäologischen Ausgrabungen getätigten Funde und angefertigten Dokumentationen zu machen, nämlich eben den Eigentümern dieser Funde im Sinne der §§ 399-401 ABGB und der zugehörigen Dokumentationen; und nun stattdessen versucht, mit nutzlosen Auflagen in Grabungsgenehmigungsbescheiden zu retten, was noch zu retten ist, die jedoch stets nur die bezüglich Funden und Befunden gar nicht verfügungsberechtigten AntragstellerInnen treffen können.