Ausgrabungen in Meillionydd 2010
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- Geschrieben von Raimund Karl
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Ausgrabungen in Meillionydd 2010
Charakterisierung doppelter Ringwallanlagen auf der Llŷn
Schnitt 3 der Grabung während der Arbeit bei gleichzeitig stattfindender Führung für die interessierte Lokalbevölkerung (Photo R. Karl)
Dieses Grabungsprojekt hat die Erforschung einer sogenannten double ringwork hilltop enclosure, einer doppelten Ringwallanlage auf einer flachen Hügelkuppe in Meillionydd, Rhiw zum Ziel.
Kate Waddington und Raimund Karl
Bangor University
Forschungskontext
Dieses Grabungsprojekt hat die Erforschung einer sogenannten double ringwork hilltop enclosure, einer doppelten Ringwallanlage auf einer flachen Hügelkuppe in Meillionydd, Rhiw (Abb 1) zum Ziel.1 Die Grabungen stehen in Bezug zu Forschungen im Rahmen des ‘Early Celtic Societies in North Wales’-Forschungsprojekts, das die Flachland- und befestigten Höhensiedlungen Nordwestwales zwischen der späten Bronzezeit und den Ende des Frühmittelalters (ca. 1150 v.Chr. – 1150 n.Chr.) untersucht. Obgleich Nordwestwales die meisten, best erhaltenen und am ausgiebigsten durch Prospektion erschlossenen Siedlungen in Wales aufweist (Smith 2001) ist die Archäologie dieser Region nicht ausreichend erforscht und daher auch wenig analysiert. Moderne Grabungen haben nur in begrenztem Ausmaß stattgefunden; die Chronologie steckt noch in den Kinderschuhen; Fundstellen sind meist sehr fundarm, vor allem was datierbare Funde betrifft; und umweltarchäologisch auswertbare Komplexe eine Seltenheit. Die Gründe für die Entstehung und Entwicklung monumentaler Bauwerke, wie es befestigte Höhensiedlungen beispielsweise sind, stellen bislang eine ungelöste Frage dar (obwohl siehe Crew 1985 für die Ergebnisse umfangreicher Ausgrabungen in der befestigten Höhensiedlung Bryn y Castell, Gwynedd).
Die Entwicklung von monumentaler Siedlungsarchitektur in der ersten Hälfte des 1. Jahrtausends vor Christus stellt eine fundamentale Neuorganisation einiger kommunaler Identitäten, (Glaubens-)Vorstellungen und Werten dar. Derartige Anlagen werden oft als Zeichen ökonomischer Intensivierung betrachtet, als Folge eines Wechsels der Machtbasis lokaler Eliten, die zuvor primär als in der Kontrolle des Bronzehandels und der damit verbundenen Austauschnetzwerke gelegen vermutet wird und sich nun auf die Kontrolle von landwirtschaftlich nutzbarem Grund und Bodens als auch der landwirtschaftlichen Produktion selbst zu verlagern scheint. Obgleich eine wichtige Erkenntnis hat diese Ansicht zu einer zu stark vereinfachenden Vorstellung über soziale Praxis und damit zu einem homogenisierten Bild der Lebensumstände, kultureller Innovation und Wandels in dieser bedeutenden Phase sozialen Wandels geführt.
Eine ungewöhnliche Eigenheit der nordwalisischen Evidenz ist das Auftreten früher Phasen der Konstruktion befestigter Höhensiedlungen in der zweiten Hälfte der Spätbronzezeit (ca. 9. – 8. Jh. v.Chr.), z.B. auf dem Breiddin in Powys (Musson 1991), Moel y Gaer in Clwyd (Guilbert 1975) und Castell Odo in Gwynedd (Alcock 1960). Castell Odo ist eine besonders wichtige Fundstelle und gehört zu einer wenig verstandenen Gruppe von Denkmalen, die sich auf Anglesey und der Llŷn-Halbinsel konzentrieren, die als ‘weak double ringworks’ (RCAHMW 1964), d.h. als schwach ausgeprägte doppelte Ringwälle, bezeichnet werden.2 Die erste Besiedlungsphase auf dieser Fundstelle ist mit einer Holzpalisade eingefriedet und hat dunkel-humose, artefaktreiche Siedlungsschichten produziert, die sich unter dem anschließend errichteten früheisenzeitlichenen Wall erhalten blieben.3 Die dunkel-humosen Siedlungsschichten könnten Parallelen zu den gleichzeitig auftretenden, ebenfalls aus dunkel-humosen Ablagerungen bestehenden sogenannten ephemeral midden accumulations (vergängliche Misthaufen) darstellen, wie sie sich gelegentlich an oder unter den Wällen von befestigten Höhensiedlungen in Südbritannien finden (Waddington 2009).4 Das mögliche Auftreten dieses Ablagerungstyos in Nordwales ist ein Phänomen, das weiterer Überlegungen bedarf. In der frühen Eisenzeit wurde die Siedlung dann durch die Anlage zweier konzentrisch angeordneter Klaubsteinwälle verstärkt, die bis zu acht in Trockensteintechnik errichtete Rundhäuser umfriedeten. Die doppelten Ringwallanlagen bieten daher eine einzigartige und bislang weitgehend unausgeschöpfte Resource für die Entwicklung feinerer Chronologien und für die Untersuchung der Ursprünge und Entwicklung von Siedlungsmonumentalität im Spätbronze-/Früheisenzeit-Übergangshorizont.
Abb. 1 Plan der Halbinsel Llŷn, die im Text erwähnten Fundstellen sind auf der Karte markiert und alle sonstigen spätprähistorischen Siedlungen und befestigten Höhensiedlungen durch Punkte bzw. Sterne markiert (Bild: K. Waddington).
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